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Image Jacques Géry, 1917 – 2007

 

Einer der größten Ichthyologen und Wissenschaftler aller Zeiten hat uns verlassen.
Kurz nach dem 80. Geburtstag von Jacques Géry hatte ich 1997 über den  bewegten Lebenslauf des bekanntesten Salmler-Experten der Erde und seine damals rund 300 Publikationen – jede einzeln gelistet – geschrieben. (aqua, Journal of Ichthyology and Aquatic Biology Vol. 2(4), Dezember 1997.) Und ich saß gerade über einer Liste seiner Arbeiten der letzten 10 Jahre um diese ebenfalls publizieren zu lassen, zusammen mit den Glückwünschen zu seinem 90. Geburtstag, als die Hiobsbotschaft per fax eintraf: “Sarlat the 20th of June 2007: I am very sad to have to tell you that Jacques passed away on June 15th. After a long stay in the hospital. It was a welcome relief. He died peacefully. His cremation took place in Périgueux the following day amidst family only. Georgie Géry” .
  Es traf mich wie ein Schlag, ein unglaublicher Schock, hatte ich doch noch kurz zuvor gehört er sei auf dem Weg der Besserung – er habe zwar 20 Kilo abgenommen, aber sonst ging es ihm gut …
  Ich kann es immer noch nicht glauben und sicher bin ich nicht der einzige …
  Ein Mann ist von uns gegangen, der für die meisten der Salmler- und Ichthyologengemeinschaften auf dieser Erde einer der größten Wissenschaftler war der je gelebt hat. Nicht umsonst nannte schon mein Freund Ross Socolof in den 1960er Jahren Jacques “The world expert on characoids” . Das war kurz nachdem er Hyphessobrycon simulans Géry, 1963, beschrieben hatte und lange vor der Veröffentlichung seines Lebenswerks 1977 “Characoids of the World”  – welches bis heute die “Bibel” der Characiformes, der Salmlerartigen ist.
  Mir kam der Name Géry damals, Mitte der 1960er Jahre, zu ersten mal zu Ohren. Ich hatte den Blauen Neon gezüchtet und wollte den Mann kennen lernen, der dieses Juwel beschrieben und von dem Ross mir soviel erzählt hatte. Aber es sollten noch fast 10 Jahre vergehen bis ich nach Saint Cyprien kam. Wo der  ungewöhnliche Franzose, der inzwischen einige meiner Fisch-Sammlungen empfangen und untersucht hatte, mit seiner zweiten Frau Georgie in einem  Schloss lebte. Mit Schlossturm (ohne Heizung), riesigem parkähnlichem Grundstück, Pferdestall und allem drum und dran was zu einem echten Schloss gehört. Sein Chateau war eine kleine Kopie von Versaille in der traumhaften Dordogne-Region. Als ich durch den Wald von der Hauptstraße zum Schlosshof hoch fuhr wurde mir ganz mulmig ums Herz: Ich, ein Niemand, besuchte seine Hohheit auf diesem herrschafltichen Schloss? Aber ich war erstaunt, wurde herzlich in Deutsch Empfangen (nur unsere Korrespondenz fand immer in Englisch), auch seine Frau verstand Germanisch. Auf der Terrasse zur Parkanlage sitzened entwickelte sich schnell eine enge Freundschaft, die bis zu seinem Ableben anhielt – obwohl ich ihn in den letzten Tagen nach seinem 90. Geburtstag weder sprechen noch sehen konnte – von der ich mehr lernen konnte als in allen meinen ichthyologischen-, biologischen-, limnologischen oder naturwissenschaftlichen Kursen ...
  Seit diesem ersten Tag hatten wir ein sehr enges Verhältnis und nicht nur der Fische wegen. Mit Jacques konnte man über alles reden, ob Mozart, Gates, Bush oder Tschaikowsky, über Buddha, Akahito (der japanische Kaiser ist auch anerkannter Ichthyologe) oder Aristotles und seine Fischbeschreibungen, über die neuesten Computorspiele oder Sukhoda und Bonsai (von denen ich ihm ein paar aus Japan mitbrachte). Wir unterhielten uns über den Luminous path und Kommunismus, Castro, Stalin, Mao Tse-Tung, Alexander (der Große) oder Molière, sowie andere französische Größen, z. B. Victor Hugo, u.v.m. Nächtelang diskutierten wir über Amazonien, seine Entstehung, die Verbreitung der Arten und deren Evolutionsmechanismen, sympatrisch und allopatrisch lebende Formen, über Mimitismus oder was überhaupt eine Art ist ... Jacques besuchte rund 10 Mal diese gigantische Region und forschte an verschiedenen Instituten (São Paulo, Manaus, Cuiabá, Trinidad, Lima und Kourou), sowie in der Natur. Trotz weniger Reisen kannte er Amazonien wie kaum jemand und konnte jedem (brasilianischen) Wissenschaftler, oder sonst einem Forscher Südamerikas, helfen. Er kannte jeden gefangenen Salmler, ob Tiere von La Condamine, Löfling, Ferreira, Humboldt, Spix & Martius, Natterer, Langsdorff, Adalbert (Prinz Heinrich Wilhelm), die der Gebrüder Schomburgk oder Wallace, natürlich auch die Exemplare der Thayer-Expedition mit Agassiz, der größten aller Sammlunmgen im Amazonasgebiet, oder Steindachners Fische – um nur ein paar zu nennen. Jacques konnte praktisch über jeden igarapé oder die fast unzähligen lagos Amazoniens, seine furos und paranás, sowie die rios und ríos etwas erzählen, wie kein zweiter. Nicht umsonst ging es in einer seiner letzten großen Publikation (die gerade im Druck ist) über die Korrektur der Fundortangaben, die seit rund 150 Jahren in der Weltliteratur z.T. falsch publiziert werden – Orte und Typuslokalitäten der Thayer-Expedition. Aber nicht nur Amazonien kannte er wie seine Westentasche, ich konnte mit ihm über alle möglichen Flüsse und Seen Amerikas, über Bachläufe in Equateur (Kongo) oder Zuflüsse des Mekong sprechen. Wir debatierten über westafrikanische Flüsse und Staudäme oder die Seen auf dem Hochplateau Tibets und deren Fauna. Sein geographisches Wissen war enorm, denn er interessierte sich für fast alles. Hinzu kam, dass er einen Sammlerdrang für Antiquitäten besaß, der für mich ebenso einmalig schien. (Seine Frau Georgie war Inhaberin eines Antiquariats über viele Jahre.) Jedesmal wenn ich in besuchte (und das geschah mehrmals – fast jedes Jahr), sah ich seine riesige Taschenmessersammlung erneut angewachsen, ebenso die Sammlung  alter Schlösser, oder die der Masken Afrikas und Neuguineas. Das Haus am Rande von Sarlat, indem er seine letzten 25 Jahre verbracht hat, war mit alten Zeichnungen, einer Unmenge alter Gemälde, Stiche und Bücher beschmückt. Vieles in Kisten und Kästen, da nicht alles an den Hauswänden und in den Regalen Platz fand. In letzter Zeit galt seine Vorliebe den uralten und extrem seltenen Steinskulpturen des schwarzen Kontinents. Ja, er bat mich auf meiner Suche nach Salmlern in Afrika regelrecht nach diesen Ausschau zu halten. Sie sind im Laufe der Erdgeschichte dort nur in ganz geringer Stückzahl hergestellt worden. In Kamerun, Guinea (wo er als erster fischmäßig 1955/1956 forschte), Gabon (seiner zweiten Westafrika-Ichthyofauna-Forschungsreise in 1964) oder im Norden von Mozambik, wie an anderen Plätzen des Schwarzen Kontinents, suchte ich für ihn danach. Die Salmler kamen (für ihn), erst an zweiter Stelle … Und in Russland, wo es bekannterweise keine Salmler gibt, sollte ich nach echten Ikonen für ihn fündig werden …
  Einmal, erinnere ich mich noch genau, kam er nach Deutschland und ich fuhr mit ihm zu verschiedenen Museen um in deren ichthyologischen Abteilungen Untersuchungen vorzuznehmen. Aber sein Hauptanliegen bei dem Besuch war eine Sammlung alter Kartenspiele aus dem frühen Mittelalter (schon 1949 wurde sein Buch über Spielkartenmanipulation veröffentlicht: Principes brillants de la manipulation des cartes). Er hatte sie einem Museum in Stuttgart für ein kleines Vermögen vermacht (aber reich war Jacques nie, auch wenn er viele Jahre in einem Schloss gelebt hat). Auf der nächtlichen Fahrt flog uns die Windschutzscheibe bei 250 km/h des Turbo-Porsches um die Ohren. Das hat er nie vergessen … Ich dagegen vergesse nie unsere einzige gemeinsame Expedition (1976). Wir fuhren die Transamazonica entlang zum Alto Aripuanã. Ein Jahr zuvor hatte ich dort einen kleinen blauen Salmler entdeckt. Jacques arbeitete damals für einige Monate am Instituto National da Pesquisa da Amazônia und wollte noch mehr Exemplare zur Bestimmung. An jedem Igarapé an dem wir hielten, stellte Jacques als erstes seinen mitgenommenen Faltstuhl auf um mir zuzusehen wie ich in die Fluten sprang und fischte. Oder er las in einem Roman (Stephen King und andere Kriminalbuchschreiber bevorzugte er) ... Den Kaisersalmler hat er ein Jahr später als Inpaichthys kerri mit W. Junk zusammen, zu Ehren des INPA-Instituts und dessen Direktor Kerr, beschrieben.
  Jacques wurde 1917 in Paris geboren. Er studierte Medizin in Staßburg und war mit 20 Jahren am Hôpitaux de Strasbourg beschäftigt, dann als Internist in Clairvivre (Dordogne) tätig. Als er während (und kurz nach) dem zweiten Weltkrieg zwangsweise in Deutschland zur Betreuung englischer Kriegsgefangener stationiert war, lernte er den Pionier der modernen Discuszucht, Eduard Schmidt (später Schmidt-Focke), ebenfalls Mediziner bei Aquarium Hamburg, kennen. Daraus ergab sich ebenfalls eine lange Freundschaft. (Seine enge Freundschaft mit dem weltbekannten Limnologen Rolf Geisler, begann bei einem Kongress in Frankfurt 1956.) Karrieresteigerung in der Medizin folgte für ihn Schlag auf Schlag. Er wurde 1947 Chef de Clinique ajoint an der Faculté de Médicine de Strasbourg und absolvierte dort seine Thése de Médicine, am 20. Juli 1947. Und obwohl er danach als anerkannter Plastikchirurg bis 1960 in der Klinik des Mines in Briey, Meurthe-et-Moselle tätig war, ließ ihn sein Hauptinteresse: die Fische, niemals los. Schon im Alter von 13 hatte es ihn gepackt und Zierfische fortlaufend gepflegt (in Briey unterhielt er 40 Aquarien in einem Glashaus). Von 1951 an publizierte er ununterbrochen Arbeiten über Aquarien, Fische und Pflanzen – für Beginner sowie für Fortgeschrittene. Bis 1958 waren es 72 Artikel, die in populären Zeitschriften und Büchern erschienen sind. Seine erste Fisch-Publikation hieß: Les Mollienisia, description, moeurs, reproduction. Es erschien in L’Aquarium & les Poissons, in der Zeitschrift wo er von Anfang an Chefredakteur war – bis 1957.  Er schrieb über Labyrinther, Barben, Glassbarsche, Karpfenähnliche und Grundeln, Regenbogenfische, Schmerlen, Welse und Lebendgebährende oder Kugelfische, sowie Killifische und Buntbarsche (die er beide haßte – einschließlich der, die sich damit befaßten …). Aquarienpflanzen kamen nie zu kurz, noch die Biologie und Mimese der Fische. Aber man sieht, dass die Salmler von Anfang an seine Vorliebe waren. Im Jahr 1952 erfolgte seine erste populäre Arbeit darüber. Er schrieb ausführlich über Hyphessobrycon flammeus Myers, 1924, die er schon vor dem Krieg gepflegt und gezüchtet hatte. 1953 publizierte er eine längere Abhandlung über die Nannostominae, die wie die Neonfische zu seinen Lieblingen gehörten. Und ein Jahr später brachte er sicher die erste größere Arbeit über die Pyrrhulininae heraus, gefolgt im selben Jahr von einer ausführlichen Neon(innesi)-Abhandlung. Mit den afrikanischen characoids befasste er sich ab 1954 (Phenacogrammus), und noch intensiver nach seiner ersten Guinea-Expedition im folgenden Jahr, sowie in 1956. Jacques brachte seine erste wissenschaftliche Publikationen 1959 heraus, als er die Gattung Roeboexodon gen. n. de Guyane ins Leben rief und kurz darauf Thayeria ifati Géry, 1959, beschrieb. (An der Thayeria-Gattungsrevision und mehreren neuen Arten arbeitete er in den letzten 20 Jahren, deren Vollendung und Veröffentlichung jetzt der brasilianer Flávio C. T. Lima vornehmen wird. Jacques übergab Flávio sein gesamtes Material, Texte und Informationen bei unserem Besuch im Herbst 2005.) Mit 44 Jahren, weil er die Fische inzwischen mehr schätzte als die Medizin (immer mehr Abneigung gegen die Plastikoperationen verspürte und sein Freund, der führende Zoologe Frankreichs zu ihm sagte: “ Ein Chirurg, ein Arzt, dass ist nichts.” ) wurde er wieder Student und promovierte in einer Arbeit über die Sägesalmler von Guyana und hängte noch eine zweite Thesis an, eine Literaturarbeit über die Schreckstoffe der Cypriniden. 1960 brachte er seine letzte wissenschaftliche medizinische Arbeit heraus – mit denen Jacques schon 1941 begonnen hatte – und widmete sein restliches Leben der Beschreibung von Salmlern. Selten befasste er sich danach mit anderen Fischgruppen – allerdings arbeitete er intensiv, mit mir, jahrelang an der Gattung Symphysodon. Und während seines Aufenthalts in Gabon (1964) machte er noch eine Ausnahme und sammelte über 5000 Exemplare aller Fischgruppen in der Region des Ivindoflusses, wo nahe Makokou Pierre P. Grassé ein Labor für CNRS gegründet hatte.
  Auch nach seiner Pensionierung (1982), arbeitete Jacques intensiv (und unentgeldlich) weiter and den Salmlern – meist mehr als zuvor. Jacques arbeite bis zuletzt, auch noch während den letzten 15 Chemotherapien, welche ihn sehr schwächten. Nur nicht mehr, als er Anfang dieses Jahres zur Pflege in ein nahe liegendes Krankenhaus (Pflegeheim) gebracht wurde. Eine seiner letzten Arbeiten (Ende 2006) soll bald veröffentlicht werden (zusammen mit Zarske). Es handelt sich um den vierten Neonfisch, der in der Zeitschrift Aquaristik Fachmagazin Nr. 196, zum ersten mal der Weltöffentlichkeit vorgestellt wird. Diese Veröffentlichung lag Jacques natürlich besonders am Herzen, denn damit ist er, neben der Gattung (Paracheirodon Géry, 1960 – für H. innesi), für die Hälfte der Artbeschreibungen der bekanntesten Zier- und beliebtesten Aquarienfische der Erde verantwortlich. Die neue Art ist eine Weltsensation (für die Aquarianer, aber auch für die Wissenschaft, denn es gelang mir diesen sagenumwobenen Fisch, nach rund 40 Jahren Suche, endlich letzten September im südlichen Amazonasgebiet nachzuweisen). 
  Jacques war selten einverstanden mit den Kladisten und noch weniger mit Splittern oder Wissenschaftlern die zu schnell eine neue Art, Gattung oder Familie beschreiben. Und war gegen die Beschreibung von unprofessionellen Aquarianern (“ungelernte Aquarianer”, wie er sie nannte). Deshalb empfahl er mir 1990, zusammen mit Friedhelm Krupp (dem heutigen Scientific Editor von aqua), eine außergewöhnliche wissenschaftliche Zeitschrift ins Leben zu rufen. Er arbeitete von Anfang an mit an seiner Entwicklung und war Mitglied im Editorial Board – vom ersten Tag an. Auch durch seinen unermüdlichen Einsatz wurde aus aqua, Journal of Ichthyology and Aquatic Biology (seit Volumen 12: aqua, International Journal of Ichthyology), eine der führenden wissenschaftlichen Fischkundezeitschriften der Erde. Jacques unterstützte aqua in jeder Hinsicht, machte endlose reviews, gab immer Ratschläge für Verbesserungen und veröffentlichte viele Arbeiten darin, u. a. die bahnbrechende Übersicht über die wenig bekannte afrikanische Salmlergruppe der Unterfamilie Alestinae  (Géry, 1995). Der Aquapress Verlag ist besonders stolz auf seine unermüdliche (und unentgeldliche) Kooperation über 15 Jahre hinweg. Erst Ende 2006, als es ihm nicht mehr so gut ging, hat er seine Mitarbeit aus gesundheitlichen Gründen aufgekündigt, aber wollte weitere Veröffentlichungen in aqua vornehmen. Eine, wie erwähnt, ist jetzt im Druck und weitere – mindestens vier – befinden sich in der Endphase bei den Zweitautoren, welche für die Veröffentlichung sorge tragen.
  Jacques war immer sehr vorsichtig und extrem gründlich in seiner Art der Neubeschreibung (über der Spezies Hemigrammus bleheri Géry & Mahnert, 1987, recherchierte er fast 20 Jahre lang …). Seine Arbeit an den Salmlern vom sicher artenreichsten (kleineren) Flusssystem der Erde, dem Rio Guaporé, an der er seit über 15 Jahren arbeitete, rund 350 Seiten geschrieben und fast 200 Salmlerarten erfasst hat (wovon 20 neu sind), konnte er leider nicht zu Ende bringen. Trotzdem werde ich versuchen, dass jemand seine fast vollendete Arbeit, sicher eine seiner größten und schwierigsten nach “Characoids of the World”, fertig stellt. Ebenso die Überarbeitung der unter Aquarianern beliebten Gruppe der sogenannten “Rosy Tetra” , an deren Systematik hat er seit Jahrzehnten gearbeitet hat (und ich ihm von allen Typuslokalitäten Exemplare gesammelt und für eine Revision lebende Fotos und eingelegte Tiere zurückgebracht hatte). Bis Datum wurden die Arten dieser künstlichen Gruppe eher schlecht als recht behandelt (meist sogar falsch) – speziell in wissenschaftlichen Publikationen und in der gesamten aquaristischen Literatur. Hauptsächlich weil man an den Typuslokalitäten keine neue Sammlungen vorgenommen hat …  
  Jacques sprach auch Latein und publizierte oft in seiner Muttersprache (in der er auch mehrere Bücher verfasst hat, die nichts mit Fischen zu tun haben, aber leider nie gedruckt wurden). Er verstand Portuguisich und auch etwas Spanisch. Jacques Géry war ein Unikat der Sonderklasse.
  Die Gérys haben mit Jacques einen Mann, Vater und Großvater (sein einziger Sohn Gregory hat zwei Kinder) verloren. Ich einen Menschen den ich mehr als meinen eigenen Vater schätzen gelernt habe, den ich besser verstand als jeden Freund oder Bekannten (wenn er es mir auch manchmal nicht glaubte), und zu dem ich aufsah wie zu keinem Lehrer dieser Erde. Aber die Welt verliert mit seinem Tode einen Menschen, über den ich 1997 schrieb: “ Jacques is a representative of an almost extinct species …”  was ich heute untermauern möchte. Mit Jacques Géry ist die Menschheit um einen einmaligen Gentleman und Spezies ärmer, mit ihm stirbt eine Art aus die nie wieder kommen wird. (“Extinct is forever” , wie man im englischen sagt …). Er hat hunderte von Arten neu beschrieben, nur seine eigene nicht …
  Trotzdem, sein Name ist nicht nur mit der Gattung Geryichthys Zarske, 1997 und den vielen Spezies die seinen Namen tragen unsterblich geworden (der erste war Aphyosemion guineense geryi Lambert, 1958), sondern seine wissenschaftlichen Arbeiten bleiben für immer. Wenigstens solange Wissenschaft und Nomenklatur bestand haben wird, auch wenn einmal alle Arten der Erde ausgestorben sind, woran er genauso glaubte wie ich. Er war überzeugt, dass Homo sapiens die Umwelt und die Habitate aller natürlichen Lebensformen unaufhaltsam zerstören wird und damit eines Tages sich selbst …
Au revoir, Jacques – sicher sehen wir uns im Fischimmel wieder …

Heiko Bleher

Italien, den 26. Juni 2007

Image Jacques Géry, 1917 – 2007

 

One of the great ichthyologists of our times has left us. Jacques Géry the extraordinary Frenchman, the gentleman par excellence, this humble man, has fallen asleep forever. I called once him the greatest characoid expert of the world, especially after the publication of his magnum work “Characoids of the World” (Géry 1977), which until today is considered the reference book for Characiformes. When my words came to his attention, he said: “In the scientific world, never express appreciation such as my good friend, the best ichthyologist, or similar. The one who makes compliments is always suspected of having something to ask. There are two aspects of life: science (i.e. facts), and the rest. In the first only logics is at work. Subjectivity, sentiment, ideology, friendship, etc. has nothing to do with it.”  But now, after being fortunate enough to having known Jacques and to work with him for the last four decades, I may say without hesitation and without being able to ask him (unfortunately): “You were the greatest expert who ever worked on the entire group of characiform fishes, you knew those fishes better than anyone else did – and probably no one will ever gain as much knowledge about them as you did.”  
  In 1997, on the occasion of his 80th birthday, I wrote about Jacques and his work, about his live and listed all of his publications in medicine and surgery, his aquarium articles and miscellaneous other publications, encompassing his immense contribution to zoology and ichthyology (in aqua Vol. 2, Issue 4). He never stopped working, and as I was in the process of compiling a list of his papers published over the last 10 years, a fax arrived: “Sarlat the 20th of June 2007: I am very sad that I have to tell you that Jacques passed away on June 15th; after a long stay in the hospital. It was a welcome relief. He died peacefully. His cremation took place in Périgueux the following day amidst family only. Georgie Géry”
  This news hit me like a stroke, especially as I had spoken to Georgie the night before and she had not told me. I could not believe it. I had not talked to Jacques for a few months, but we always had fax contact, and one of those fax messages was of special interest to him: it was the description of new neon tetra species, which I had discovered and which he intended to published. Jacques had described the third neon tetra (Hyphessobrycon simulans Géry, 1963) and that fourth contribution would have given him the satisfaction of having described half of the species of the most popular group of aquarium fishes worldwide.
  I found not words, only a few weeks earlier Georgie had told me that he had lost 20 kilos, but was recovering from the chemotherapy and probably coming home soon – and now this tremendous shock! The world has lost a man, who certainly can be considered as one of the great scientists who ever lived, one who has contributed to the knowledge of fishes as only a few others did. Jacques Géry was already a legend during his life-time, now he will be a legend forever.
  I will always remember: while working at Gulf Fish Farms in Florida in the 1960s, my dear friend Ross Socolof told me, after I had just bred the blue neon tetra, now known as Paracheirodon simulans (Géry, 1963): “You must meet the man who described it, he is the world expert on characoids”. It took, however, almost another 10 years before I had an opportunity to drive up a narrow, winding road leading to his castle in south-western France, were he lived with Georgie until 1982, the year of his retirement. I was amazed by the friendly reception. I recall sitting on the terrace of this huge chateau (authentic castle without heating) overlooking the park and their horses. We talked for hours about Amazonia, the fish collections he had received from me over the last years, about Mozart and Tchaikovsky, Mao Tse Tung, Stalin, Castro, Victor Hugo or Moldier, Britski, Weitzman and Vari, whom he admired, as well as the Japanese Emperor Akahito, also an ichthyologist, and many more. With Jacques I could have a conversation about almost anything. He would tell me about the newest computer software or game. Every time I came to visit him – some years more than once – we were sitting most of the night discussing about mechanisms of evolution, speciation and distribution of species, sympatric and allopatric distribution patterns, mimicry, or what is a species.
  I could ask him about any of the more than 1600 characiform species and he would always have an answer. His knowledge on characoids (and many other fish taxa) was beyond believe. I could ask about specimens collected by any researcher like La Condamine, Löfling, Ferreira, Humboldt, Spix & Martius, Natterer, Langsdorff, Adalbert (Prince Heinrich Wilhelm), the Schomburgk brothers, or Wallace, the specimens collected by the Thayer Expedition lead by Agassiz; he also knew Steindachner’s and Eigenmann’s collections, and so many others. I could just ask him about any Igarapé, Furo, Paraná, Lago or River in Amazonia, any location or habitat were fishes occur, even though he travelled only about 10 times to that region, working in museums and institutions such as those in São Paulo, Manaus, Lima, Cuiabá, Trindad and he did some collecting. One time we went together on the Transamazonica to collect a species, which was later described as Inpaichthys kerri Géry & Junk, 1977.
  His knowledge on geography, aquatic habitats and their locations was amazing. It is not surprising that one of his last papers was, besides a re-description of a rare curimatid species, was about the correct type localities of the Thayer Expedition (1865-1866), many of which contained errors in the original publication. Jacques finally identified the correct collecting sites of every scientist publishing on the region.  In 2004, he also corrected, together with me, the type localities of all nominal Symphysodon species and subspecies.
  His geographical knowledge encompassed most fresh water habitats on planet earth. Whether I mentioned a creek in Argentina or Equateur (Democratic Republic of Congo), a tributary of the Mekong or lakes in Tibet (were no characoids live), or whether I asked him about the destruction of natural habitats, hydroelectric dams, or the flooding of precious wilderness areas with endemic species, he would always be aware and have an answer. He even knew about feeding habits and nutritional requirements of many fish species, and their peculiarities in behaviour. In addition, he had an immense interest in collecting antiques. Every time I arrived at his place, I saw his already large collection of knifes growing, as did the collection of his ancient locks and masks from Africa and Australasia. For years, Georgie ran an antiquities shop and they frequently went to auctions. Recently, his attention was directed towards extremely rare stone figures made centuries ago, by very few African tribes only. During my last field trips to Mozambique, Cameroon, Gabon and Guinea, rather than asking me to look for characoids, he wanted me to search for some of those rare stone sculptures, and when I travelled to the Russian Federation lately, he asked me to look for old icons.
  One time, I remember well, he came to Germany and we went to visit several museums where he checked some collections and species but his main interest was selling cards, of which Jacques had a huge collection from the middle ages and older. We drove to Stuttgart in a Turbo Porsche and at 250 km/h the front window blew out. He never forgot that, and I never forget that Jacques was probably the only researcher I met, who always carried a folding chair. When we were collecting along the Transamazonica, he would open his chair whenever I jumped into the water, and read a book (quite often one by Stephen King).
  Jacques Géry was born on 12 March 1917 in Paris. He studied medicine in Strasburg and at the age of 20 started working at the Hôpitaux (hospitals) there. Later he worked as an internist in Claivivre (Dordogne). During World War II he treated wounded English soldiers in Germany, where he learnt perfect German. He travelled to Hamburg, where he met Eduard Schmidt (later Schmidt-Focke), the famous gynecologist and pioneer of modern discus breeding at Aquarium Hamburg. In 1947 he was promoted to Chef de Clinique ajoint at the Faculté de Médicine in Strasburg, were he submitted his Thése de Médicine on 20 July 1947. He became a famous plastic surgeon and worked until 1960 in the clinic of Briey, where he kept 40 aquariums with a wide variety of fish species. Since the age of 13 he had a passion for freshwater fishes, and one of the first species he bred was Hyphessobrycon flammeus Myers, 1924. This was even before World War II. In 1951 he started to publish articles on ornamental fishes, plants and aquariums for beginners and advanced hobbyists. By 1958, he had written 72 articles in popular magazines and books, his first fish article being: “Les Molliensia, description, moeurs, reproduction”. It was published in the first French aquarium journal “L’Aquarium & les Poissons”, of which he was the Editor-in-Chief from 1951 to 1957. Jacques wrote about anabantoids, cyprinids, gobiids, atherinids, loaches and silurids, about livebearers and puffers, killies and cichlids, even though he disliked the latter two taxa and the people working on them. He also published several articles on biology and mimicry, but his passion for characoids had started much earlier.
  In 1952 he wrote a long paper on his at that time favorite Hyphessobrycon flammeus. In 1953, a large article on the Nannostominae followed, and a year later an even larger one on the subfamily Pyrrhulininae. Also in 1954, he began writing about African characoids, and during the following two years he studied fishes in the wild for the first time. From November 1955 to February 1956 he investigated the ichthyofauna of the Republique de Guinée. Many other research expeditions followed to Gabon, French Guyane, Brazil, Bolivia, Peru, etc.
  Jacques published his first scientific paper on fishes in 1959 on Roeboexodon gen. n. de Guyane, shortly after that he had described Thayeria ifati Géry, 1959, the latter species being one of his favourites. He worked on it for decades and intended to revise the genus. However, in 2005 he gave all his collection to Flávio C. T. Lima, the great young Brazilian ichthyologist, who promised to finish the revision soon, with several new species and Géry as one of the co-authors.
  Jacques, who between 1941 and 1960 published many medical papers, was in high esteem as a surgeon across France. However, loving fishes more than plastic surgery, he again became a student at the age of 44. His friend and France’s most famous zoologist told him: “Being a surgeon is not worth it  …”. Jacques wrote his thesis on the Serrasalmidae of Guyana. He did neither agree with the division of Characiformes into nine families, nor with the recent concept of recognising 14 families, placing an incredible number of genera and species “incertae sedis” in the “Checklist of Freshwater Fishes of South and Central America” by Reis et al. (2003), stating: “Why did they publish this confusion? They should have stayed with the concept established by knowledge- able ichthyologists and researchers. Only after they find new information, this could be changed …”. He also rejected the lumping of Crenuchidae and Characidiidae, as he (and Volker Mahnert) had worked on those two families for almost half a century, and he always stuck to his concept of 19 characiform families. In 1960, Jacques prepared a second thesis on alarm substance in cyprinids, and from that year onwards he dedicated the rest of his life to characiform fishes, rarely publishing on other groups. Until his retirement in 1982, he intensively worked on characiforms, and even more so later on as I found out.
  Jacques worked until the end of his life. Even after medical treatment and chemotherapy he continued publishing. He rarely agreed with cladists and even less so with splitters or researchers, who worked superficially. Jacques also spoke out against the publication of scientific papers in popular journals, particularly those by “unprofessional aquarists”, as he called them.  He was actually one of the persons who helped getting our journal “aqua” off the ground in the early 1990s. Jacques helped from the start, always offering advice and reviewing papers. With Jacques Géry’s help, “aqua” has become one of the world’s leading journals of ichthyology. He was the first to join the journal’s Editorial Board and remained a Board Member until 2006, when he resigned because of his advanced age and the amount of work still to be done. However, he decided to continue publishing in “aqua”, and several of his papers are in preparation or in press, partly with co-authors.
  Jacques’ accurate and detailed descriptions often took him years to finish, and whenever I asked “why?”, he would answer: “science can wait, if I do not publish, someone else will”.  After I had discovered it, he worked for almost 20 years on the species Hemigrammus bleheri Géry & Mahnert, 1987. He was not able to finish his work on the characiforms of the Rio Guaporé (Río Iténez as it is called in Bolivia), probably globally the small river richest in species and biomass. Jacques worked on this subject for the last 15 years and has written almost 350 pages, describing nearly 200 characiform species from that river system alone, at least 20 of which are new to science. This is probably the largest single publication he has prepared after his “Characoids of the World”. Hopefully someone will be able to finalise it!
  The Géry family lost a husband, father and grandfather (Gregory, Jacques’ only son with Georgie, has two children). I have lost a person whom I admired and looked up to more than to my father or anyone else, a man from whom I learned more than from any teacher. The scientific world has lost a person of whom I once wrote: “Jacques is a representative of an almost extinct species”, (Bleher 1997), which I confirm today. With Jacques, one of the most precious species on this planet has become extinct: a species that gave everything and asked for (almost) nothing, a humble and gentle species which described hundreds of new species, but failed to describe himself.
  His name is immortal, not only because of the genus Geryichthys Zarske, 1997 and all the species named in his honour. After his retirement he continued working for 25 years without remuneration, publishing hundreds of papers, which will serve as a source of knowledge and inspiration for generations to come, at least as long scientific descriptions of species continue, or until all wild fish have become extinct. Jacques was, as I am, a strong believer that Homo sapiens is the worst of all living creatures, continuing to destroy nature and natural habitats at an ever increasing pace, and eventually destroying himself.
Au revoir, Jacques, hopefully we will see each other in fish heaven

Heiko Bleher 

Italy 20 June 2007

 
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